Ein gelungener Abend - Dank erstklassiger Referenten

Veröffentlicht am 12.06.2014 in Parteileben

Gut 60 Besucher kamen am frühen Abend des 12. Juni 2014 zur ersten öffentlichen Veranstaltung unseres Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD in diesem Jahr in die Stadtkirche St. Peter und Paul zu Weimar. Ihnen standen im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Christsein in der Politik“ Rede und Antwort: Heike Taubert, Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit und Familie und Spitzenkandidatin der SPD für das Amt der Ministerpräsidentin bei den Landtagswahlen im Herbst 2014, Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D. und Henrich Herbst, Superintendent in Weimar.

 

 

 Andreas Koch

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Pfarrer Andreas Koch, Vorsitzender des AK Christinnen und Christen in der SPD Thüringen, an den, nur drei Tage zuvor verstorbenen, ehemaligen Ministerpräsidenten Sachsen - Anhalts, Reinhard Höppner. Ihn hatte Koch in den "Wendezeiten" kennen und schätzen gelernt. Es war Reinhard Höppner der mit seinem Bekenntnis zum christlichen Glauben letztlich den Anstoß für diese Veranstaltung gab. 

So zitierte Andreas Koch aus Höppners 1996 erschienenen  Buch "Segeln gegen den Wind":

"Gerade in der Politik, wo es ständig gilt, Entscheidungen zu treffen, wo Sachzwänge mich einengen und die Kompliziertheit der Probleme mich zu lähmen droht, da kann ich auf den nahezu unerschöpflichen Ideenvorrat der Bibel... nicht verzichten." 

Andreas Koch begrüßte die Redner und Gäste, unter ihnen weitere Abgeordnete des Thüringer Landtags, sowie Steffen-Claudio Lemme, MdB. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen Fragen wie die der Machbarkeit von Politik mit Hilfe der Bergpredigt, nach den christlichen Quellen politischen Handelns und wie sie zum Sprudeln gebracht werden können sowie den Herausforderungen und Sachzwängen, die praktische Politik an unser Christsein anlegt.

Pfarrer Koch hob die Bedeutung des Veranstaltungsortes für seine persönliche Entwicklung hervor und berichtete, wie er Heike Taubert kennen lernte.

 

Erste Reihe

Aufmerksames Zuhören während der Eröffnung. In der ersten Reihe von links: Uwe Büchner - Moderator des Abends, Heike Taubert, Wolfgang Thierse, Henrich Herbst und Ingo Hofmann, stellv. Vorsitzender im Sprecherrat des AK Christinnen und Christen in der SPD Thüringen.

 

Büchner, Taubert, Thierse

Offenbar gibt es auch heitere Episoden, von denen Andreas Koch zu berichten weiß, als er darüber redet, wie er Heike kennen lernte und was er an ihr schätzt. 

 

Der Weimarer Superintendent Henrich Herbst sprach im Anschluss über die Rolle der Kirche in der Politik während der letzten Jahrhunderte und erinnerte, dass schon Martin Luther während seiner häufigen Aufenthalte in Weimar, in dieser Kirche predigte, über den guten Glauben Gottes sprach und das er den Menschen damit Mut und Hoffnung machte. Auch unrühmliche Geschehnisse seien mit diesem Bauwerk verbunden, so beispielsweise, als 1914 der Ausbruch des ersten Weltkrieges mit Glockengeläut bejubelt wurde.
Schließlich sprach Herbst, in Vertretung des "Hausherren", über die Geschehnisse im Spätsommer `89 und die friedliche Revolution, die maßgeblich von Christinnen und Christen ausging.

 

Heike Taubert

Heike Taubert, Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit und Familie und Spitzenkandidatin der SPD für das Amt der Ministerpräsidentin bei den Landtagswahlen im Herbst 2014, legte zunächst dar, wie sie zum christlichen Glauben fand. Ihre Eltern hätten sich vom Christsein entfernt und haben erst nach der Erkrankung zweier Familienmitglieder zur Kirche zurückgefunden. Mit elf Jahren wurde sie getauft und habe sich, als sie mit 18 Jahren ihre Konfirmation feierte, lange damit auseinandergesetzt, ob es der richtige Weg für sie sei. In dieser Zeit lernte sie Pfarrer und Sozialdemokraten Andreas Koch kennen, von dem sie viel lernte. 

Sie setze sich vor allem für Gerechtigkeit in unserm Land ein, weil sie es als ungerecht empfindet, dass Menschen manchmal, zumeist aus fiskalischen Gründen, die Teilhabe verwehrt bleibe. Wir als Christinnen und Christen bräuchten Menschen, die in der Politik deutlich sagen würden, was alles noch nicht erreicht sei. Uns als Sozialdemokraten verbinde dabei viel mit den Christen, denn auch für uns seien Freiheit, Nächstenliebe und Respekt wichtige Elemente, so Taubert.
Ganz besonders freue sie sich, Henrich Herbst heute hier zu treffen. Sonst sähen sie sich hauptsächlich bei verschiedensten Veranstaltungen in Buchenwald, einem Ort, der für die schrecklichen Katastrophen stehe, zu denen es kommt, wenn Menschen in der Gesellschaft und Gemeinschaft den Respekt untereinander verlieren. Christinnen und Christen müssten daher in einer Demokratie bestehen, in der sie sich gemeinsam mit allen anderen humanistisch gesinnten Menschen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus einsetzen.

 

 

Wolfgang T.

Als Letzter vor der eigentlichen Debatte, widmete sich Wolfgang Thierse in seiner Rede zwei populären Vorurteilen. Das Erste, dass wir in einem säkularen Land leben würden, denn das sei falsch. Richtig müsse es heißen, dass wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben, mit unterschiedlichen Weltanschauungen, Herkünften und kulturellen Prägungen. Das zweite Vorurteil sei, dass Religion eine Privatsache ist, sie möge bitte die Öffentlichkeit nicht behelligen und schon gar keinen politischen Anspruch erheben. Wer verlange, dass Christsein eine Privatsache sei, der verlange eine Verfälschung des christlichen Glaubens, denn christlicher Glaube ist Einweisung in gutes, sinnvolles und richtiges gemeinschaftliches Leben. Politik verstehe sich gleichwohl im vernünftigen Sinne als die gemeinschaftliche Regelung der gemeinschaftlichen Angelegenheiten. Christsein und Politik seien also untrennbar miteinander verbunden.

Wir Christinen und Christen seien Teil dieser pluralistischen Gesellschaft und also aufgefordert, uns an ihrer Gestaltung zu beteiligen und unseren Beitrag zu leisten. Das heiße nicht automatisch, dass wir bessere Politiker sind. Wir seien nicht dann überzeugend, wenn wir meinen, wir hätten das Argument das wir anführen der Bibel entnommen. Vielmehr müssten wir das, was wir meinen aus unserem Glauben heraus, von unserer religiösen Überzeugung her, tun zu müssen, in eine Sprache der Allgemeinheit, in das Verständnis der Anderen übersetzen. Diese große Übersetzungsherausforderung hätten Christen gerade auch in der Politik ständig zu leisten.

Christinnen und Christen seien in besonderer Weise gefordert, Beiträge zu leisten im Diskurs der Gesellschaft mit der praktischen Politik. So sollten Christen besonders leidenschaftliche Prediger und Akteure des inneren und äußeren Friedens sein also Protagonisten von Gerechtigkeit und Solidarität.
Christinnen und Christen müssten demnach Verteidiger des Sozialstaats sein. Denn er stehe für eine politisch verbürgte, organisierte Solidarität: Eine Solidarität zwischen den Starken und Schwachen, den Arbeit habenden und Arbeitslosen, den Jungen und Alten, den Gesunden und Kranken. Der Sozialstaat lebe davon und würde nur zukunftsfähig sein, wenn es die Bereitschaft der Bürger gibt, ihn mehrheitlich zu tragen, das heißt Solidaritätsbereitschaft. Und das sei eine knappe Ressource, zitierte Thierse den Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas.  

Christinnen und Christen müssten vom Anfang bis zum Ende von Leben, wenn es um die Menschenwürde geht klar Stellung beziehen. Dies beträfe medizinische wie ethische Fragestellungen, wie die nach organisierter, gewerbsmäßig betriebener Sterbehilfe. Sie müssten dazu beitragen, dass tiefgründig gefragt wird, wenn es darum geht, ob jemand für oder gegen assistierten Suizid ist. Diese Frage ließe sich nämlich nicht so einfach mit ja oder nein beantworten, so Thierse.
Es gehe also nicht darum, dass Christinnen und Christen in der Politik besonders fromm erscheinen, sondern sie müssten die Fähigkeit und die Lust haben, aus ihren Grundüberzeugungen diskussionsfähige Argumente zu entwickeln und Mehrheiten in den Entscheidungen dafür gewinnen. Sonst seien sie fromme Leute, aber keine guten Politiker.

Fazit: Christsein in der Politik heißt: nicht einfach fromm sein, sondern ein guter Politiker sein.

 

 

In der sich anschließenden Diskussion stellten sich die Referenten den Fragen des Publikums, unter anderem zu Kinderarmut, Prostitution, Rüstungsexporte und Krieg und debattierten teilweise kontrovers ihre unterschiedlichen Standpunkte. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wolfgang Thierse

 

 

Text: Ingo Hofmann
Fotos (15): Erwin Freund

 

Kontakt

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